Kurkuma-Sonnendruck: DIY-Anleitung für kreative Schattenbilder
Sonnendruck mit Kurkuma ist eine einfache Alternative zur Cyanotypie. Mit Kurkumapulver, etwas Alkohol, Papier, Pflanzen und Sonne kannst du faszinierende Pflanzen-Silhouetten und Muster entstehen lassen.
Das Verfahren gehört zu den Anthotypien. Dabei werden natürliche Pflanzenfarbstoffe durch Sonnenlicht verändert bzw. gebleicht. Beim Kurkuma-Sonnendruck bleibt die Kurkumafarbe an den Stellen erhalten, die vom Sonnenlicht abgeschirmt werden. So entsteht ein Schattenbild der aufgelegten Pflanzen.
Was ist eine Anthotypie?
Eine Anthotypie ist ein kameraloses Druck- bzw. Belichtungsverfahren, bei dem Pflanzenfarbstoffe als lichtempfindliche Beschichtung verwendet werden. Pflanzen, Blätter oder andere flache Gegenstände werden auf das beschichtete Papier gelegt. Durch die Sonne bleichen die ungeschützten Stellen aus, während unter den Pflanzen die ursprüngliche Farbe erhalten bleibt.
Das Prinzip ist also ganz einfach:
Pflanzenfarbe + Papier + Sonne + Zeit = Sonnendruck
Anders als bei der Cyanotypie kommt dabei keine klassische lichtempfindliche Chemie zum Einsatz. Dafür ist das Verfahren weniger exakt und das Ergebnis stark von Pflanzenfarbstoff, Sonneneinstrahlung und Belichtungszeit abhängig – gerade das macht den Reiz aus.
Kurkuma-Sonnendruck selber machen
Du brauchst
- 2 EL Kurkumapulver
- ca. 50–100 ml hochprozentigen Alkohol, z. B. Isopropylalkohol oder Brennspiritus
- starkes Aquarell- oder Zeichenpapier
- einen Pinsel bzw Pinselschwamm
- Kaffeefilter oder Teefilter
- Blätter, Gräser oder flache Blüten
- eine Glasplatte, z. B. aus einem Bilderrahmen
- flache Klammern oder Clips
- Natron (z.B. Kaiser Natron)
- Wasser
- eine flache Schale
Wichtig: Alkohol ist leicht entzündlich. Arbeite gut belüftet und halte die Mischung von offenen Flammen und anderen Zündquellen fern.
1. Kurkuma-Farbe ansetzen
Gib etwa 2 Esslöffel Kurkumapulver in ein Gefäß (Glas mit Schraubverschluss) und übergieße es mit ungefähr 50 bis 100 ml hochprozentigem Alkohol.
Lass die Mischung etwa 10 Minuten ziehen und rühre zwischendurch um. Der Alkohol löst den gelben Farbstoff aus dem Kurkuma.
Anschließend filterst du die Flüssigkeit durch einen Kaffeefilter oder Teefilter. Übrig bleibt eine kräftig gelb-orange Kurkuma-Lösung.
Gerne Handschuhe anziehen und alles bedecken was nicht gelbe Flecken haben soll…
2. Papier beschichten
Bestreiche ein Stück kräftiges Aquarell- oder Zeichenpapier dünn und möglichst gleichmäßig mit der Kurkuma-Lösung. Ich benutze am liebsten einen Pinselschwamm, da ist der Auftrag schnell und gleichmässig.
Am besten arbeitest du dabei im Schatten und nicht bei direktem Sonnenlicht.
Wenn du eine intensivere Farbe möchtest, kannst du das Papier nach dem ersten Trocknen ein zweites Mal beschichten. Ich habe es bisher bei einer Schicht belassen.
Das Papier anschließend vollständig im Dunkeln trocknen lassen. (Ich hab es in ein Schubfach gelegt, der Alkohol riecht ziemlich nach.)
3. Flache Objekte, z.B. Pflanzen auflegen
Jetzt wird es kreativ.
Sammle flache Blätter, Gräser oder kleine Blüten und lege sie auf das trockene, beschichtete Papier.
Je flacher das Pflanzenmaterial aufliegt, desto schärfer können die Konturen werden. Besonders gut funktionieren deshalb Blätter mit einer interessanten Form. Es muss aber kein Naturmaterial sein, kleine Spitzendeckchen, Schlüssel, Schnipsel, Schmuckstücke, einfach ausprbieren.

4. Alles unter Glas fixieren
Lege eine Glasplatte auf das Papier, gerne auch mit Gewichten oder Clips fixieren. Dinge in durchsichtiger Folie, Laminierfolie, Plasteheftern etc funktionieren auch.
Die Pflanzen bzw Gegenstände sollten möglichst eng am Papier anliegen. Dadurch wird verhindert, dass während der Belichtung Schatten verrutschen oder Licht unter die Motive gelangt.
Ein alter Bilderrahmen z.b. eignet sich dafür auch hervorragend.
5. Ab in die Sonne
Jetzt kommt der wichtigste Bestandteil des Experiments: Sonnenlicht.
Stelle das präparierte Papier in die direkte Sonne.
Je nach Jahreszeit, Sonnenintensität und Dicke der Pflanzen kann die Belichtungszeit variieren. Bei kräftiger Sonne können 2 bis 4 Stunden ausreichen.
Beobachte den Prozess ruhig zwischendurch. Die unbedeckten Stellen beginnen auszubleichen, während die von den Pflanzen abgeschirmten Bereiche gelb bleiben.
Je länger die Belichtung, desto stärker kann der Kontrast werden.
6. Pflanzen bzw Motive entfernen
Wenn der gewünschte Kontrast erreicht ist, nimm das Papier aus der Sonne und entferne vorsichtig die Pflanzen bzw die Dinge die das Papier bedecken.
Jetzt sollte ein gelbes Schattenbild sichtbar sein.

7. Das Natronbad
Für den nächsten Schritt brauchst du:
- Wasser
- Natron
- eine flache Schale
Mische Wasser mit etwas Natron und tauche den fertigen Sonnendruck kurz in das Bad.
Dabei verändert sich die gelbe Kurkumafarbe und nimmt einen orangefarbenen bis rotbraunen Ton an. Das Motiv wird dadurch meist deutlich stärker sichtbar.
Nimm das Papier anschließend wieder heraus und lass es flach und vollständig trocknen. Ich lege es zuerst auf ein Geschirrtuch oder Handtuch.

Experimentieren lohnt sich: Die genaue Farbveränderung hängt unter anderem von der Konzentration der Kurkuma-Lösung und des Natronbads ab. Deshalb lieber zunächst mit einem kleinen Stück Papier ausprobieren.
Noch mehr Möglichkeiten für Sonnendruck
Kurkuma ist nur eine Möglichkeit, mit Pflanzenfarbstoffen und Sonnenlicht zu experimentieren.
Bei einer klassischen Anthotypie können beispielsweise auch Spinat, Rote Bete, Rotkohl oder Beeren verwendet werden. Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Pflanzenmaterial erheblich – manche Farben reagieren schneller auf Sonnenlicht als andere.
Für eine Anthotypie wird der Pflanzensaft gewonnen, gefiltert und auf starkes Papier aufgetragen. Nach dem Trocknen werden Blätter, Schablonen oder andere flache Motive aufgelegt und das Papier der Sonne ausgesetzt.
Allerdings gilt hier: Anthotypien lassen sich normalerweise nicht dauerhaft fixieren. Das fertige Bild bleicht bei weiterer Lichteinwirkung mit der Zeit aus.
Mehr Informationen und eine ausführliche Anleitung zur Anthotypie gibt es beispielsweise beim Betreiberverein Wiki.
Sonnendruck ganz ohne Kurkuma
Es gibt außerdem Sonnendruck-Verfahren, die ganz anders funktionieren und sich auch für Kinder und einfache Bastelprojekte eignen. Eine einfache Variante mit Pflanzen und Bastelpapier gibt es bei Romy Pfyl. Auch science.lu zeigt, wie sich mit der Sonne Muster auf farbigem Papier erzeugen lassen. Für dieses Experiment brauchst du nicht unbedingt spezielles Sonnendruckpapier – es geht auch mit farbigem Bastelpapier.
Beim Sonnendruck auf Stoff beispielsweise wird keine lichtempfindliche Pflanzenfarbe verwendet. Naturmaterialien werden auf feuchten, eingefärbten Stoff gelegt. Durch das unterschiedliche Trocknungsverhalten entstehen nach dem Trocknen die charakteristischen Pflanzenmotive. Für Sonnendruck auf Stoff gibt es eine Anleitung des NABU Rödermark.
Eine weitere einfache Variante funktioniert sogar mit normalem farbigem Bastelpapier.
Fazit: Kunst mit Sonnenkraft
Der Kurkuma-Sonnendruck ist ein schönes kleines DIY-Kunstexperiment für sonnige Tage. Das Material ist überschaubar, die Herstellung unkompliziert und du kannst mit ganz unterschiedlichen Pflanzen aus Garten, Balkon oder Umgebung experimentieren.
Und vielleicht ist gerade die Tatsache, dass das Ergebnis nicht vollkommen kontrollierbar und nicht für die Ewigkeit gemacht ist, ein Teil seines Reizes.
Du brauchst eigentlich nur drei Dinge: Farbe, Pflanzen und Sonne. Den Rest erledigt die Zeit.

